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NIC-Broschüre online: Astrophysik

Die Broschüre des John von Neumann-Instituts für Computing gibt es auf Deutsch und auf Englisch. Sie kann bestellt werden beim NIC-Sekretariat (nic@fz-juelich.de).

deutsche Broschüre (pdf)   |  English brochure (pdf)



Einleitung Scientific Computing Astrophysik Elementarteilchenphysik Vielteilchenphysik Polymere Chemie Erde und Umwelt Sonstiges
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Computing
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Polymere Chemie Erde, Umwelt Sonstige
Gebiete


    Astrophysik


"Astrophysik"

Menschen - und auch unser Planet Erde - bestehen fast ausschließlich aus chemischen Elementen, die in Explosionen von Sternen freiwerden. Massereiche Sterne und ihre Explosionen haben alle schweren Elemente ab Kohlenstoff produziert, dazu einen erheblichen Anteil von Helium. Diese Produktion war in den Frühzeiten des Universums sehr schnell. Trotzdem ist der einzige Stern, den wir einigermaßen verstehen, die Sonne. Die Sonne wird niemals explodieren, obwohl sie sicherlich gegen Ende ihres Lebens große Mengen an Gas ausstoßen und damit die Erde unbewohnbar machen wird. Wir verstehen den Mechanismus der Explosion sehr massereicher Sterne bis heute nicht.

Sterne und unser Verständnis ihrer Entstehung, ihres Lebens und ihres Todes werden am besten anhand unserer Kenntnisse über die Sonne geprüft; auch von der Sonne lernen und testen wir die Mikrophysik, die vielleicht entscheidend für Sternexplosionen ist. Die Sonne hat die frühe Entwicklung des Studiums ionisierter Gase inspiriert, und die Sonne ist immer noch unser Testfall für fast alle Versuche, die Physik ionisierter Gase und insbesondere ihr Verhalten in magnetischen Feldern zu verstehen. Das könnte auf der einen Seite dazu führen, dass wir lernen, woher im Kosmos eigentlich Magnetfelder kommen, und auf der anderen Seite, was die Explosionen von Sternen antreibt, und schließlich, was denn die schnellen Düsenstrahlen anschiebt, die aus der Umgebung von schwarzen Löchern herrühren. Die meisten heutigen Versuche, diese relativistischen Gasstrahlen zu verstehen, werden aus unseren Modellen für den magnetischen Sonnenwind abgeleitet. Und schließlich wird versucht, die Sonne im Labor nachzuahmen, mit Magnetfeldern statt Gravitation als einschließender Kraft, in der Hoffnung, daraus eine unerschöpfliche Energiequelle für die Menschheit herzuleiten - nur begrenzt durch die Thermodynamik.

Die Arbeit von Kliem und seiner Gruppe ist ein Beispiel dafür, wie wir von der Sonne und ihren Magnetfeldern mehr über Magnetfelder im Allgemeinen lernen können.

Sternexplosionen haben die Entwicklung von Planeten wie dem unseren stark beeinflusst; Gamma-Blitze sind eine spezielle und seltene Art von Sternexplosionen, die man gerade mal für Sekunden quer durch das ganze Universum sehen kann; und wir haben kaum einen Schimmer von physikalischem Verständnis, wie diese Gammablitze mit Sternexplosionen wirklich zusammenhängen. Es gibt kein allgemein akzeptiertes Konzept dafür, warum sehr massereiche Sterne explodieren; diese Frage ist eine der wichtigsten unbeantworteten Fragen überhaupt in der Astronomie, Kosmologie und Physik.

Die Arbeit von Janka und seiner Gruppe ist ein Versuch, ein bestimmtes Konzept bis zu Ende zu rechnen und so zu prüfen, nämlich eine volle 3-D-Behandlung verbunden mit einer klaren Behandlung der Produktion und des Transports von Neutrinos. Dieser Ansatz ist sehr plausibel, da wir diese Neutrinos bereits beobachtet haben.

Sterne in großer Zahl ergeben Galaxien wie unsere Milchstraße, und fast alle Galaxien haben ein sehr massereiches zentrales schwarzes Loch. Die Entstehung und die Entwicklung dieser schwarzen Löcher geben uns ein großes Rätsel auf. Schwarze Löcher sind die effizientesten uns bekannten thermodynamischen Maschinen im Kosmos. Schwarze Löcher treiben relativistische Gasstrahlen vermutlich durch verdrillte Magnetfelder an. Die Wechselwirkung von dichten Sternsystemen mit schwarzen Löchern, die Entwicklung von doppelten schwarzen Löchern und die Rotation von schwarzen Löchern sind Schlüsselfragen der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Astrophysik.

Die Arbeit von Spurzem und seiner Gruppe ist ein Beispiel dafür, wie man schwarze Löcher und dichte Sternsysteme behandelt, um indirekt im Versuch aus Beobachtungen in kosmischer Zeit mehr zu lernen (d.h. dadurch, dass man tief in die kosmische Vergangenheit schaut).

Die frühe Entwicklung des Universums, seine ersten Sterne, Galaxien und schwarzen Löcher, eng verknüpft mit der Strukturbildung - das Universum sieht aus wie ein Spinnengewebe, oder wie ganz viele Seifenblasen - ist jetzt erforschbar durch die genauen Messungen der räumlichen Fluktuationen der Strahlung, die vom Urknall noch übrig geblieben ist. Die heutigen Beobachtungen erlauben uns bereits, die kosmischen Parameter mit hoher Genauigkeit zu bestimmen, und doch verstehen wir immer weniger von der darunter versteckten Physik. Dunkle Energie, Dunkle Materie und unsichtbare baryonische Materie (d.h. Materie wie wir und die Sonne) ergeben fast genau 100 Prozent von allem, was zu existieren scheint.

Die Arbeit von Gottlöber und seiner Gruppe zu Galaxienhaufen und ihrer Entwicklung versucht Licht auf diese Fragen zu werfen.

Bei allen diesen Unternehmungen sind Simulationen auf Supercomputern ein Schlüssel zum Erfolg; die Welt ist heute so kompliziert, dass selbst, wenn das Prinzip einfach ist, die schlichte Zahl an Teilchen, Sternen oder Phasenraumzellen die Benutzung von Supercomputern erfordern. Letztendlich wollen wir die Welt um uns herum verstehen und dieses Wissen zum Wohle der Menschheit nutzen.

(Peter L. Biermann, MPI für Radioastronomie, Bonn, und Fachgruppe für Physik und Astronomie, Universität Bonn)


Solare Eruptionen

Solare Eruptionen

Solare Magnetfelder werden im Prozess der Energiespeicherung verschert und verdrillt und gelangen an einen instabilen Punkt, an dem sie sich in den interplanetaren Raum öffnen, das von ihnen gehaltene Plasma auswerfen und einen Strahlungsimpuls (Flare) hervorrufen. Magnetohydrodynamische Simulationen der Kink-Instabilität einer verdrillten Magnetflussröhre zeigen sehr gute Übereinstimmung mit Beobachtungen und legen diese Instabilität als Mechanismus der Auslösung solarer Eruptionen nahe.

Die Abbildung zeigt Feldlinien einer verdrillten Flussröhre beim Erreichen der doppelten Ausgangshöhe im Verlauf der Instabilität in perspektivischer und senkrechter Ansicht. Die sich hier entwickelnde helikale Verformung wird oft in eruptiven Protuberanzen beobachtet. Zwei in der Projektion J-förmige Feldlinienbündel durchlaufen eine Stromschicht, die sich unter der Flussröhre aufbaut. Dort wird der Röntgen-Flare durch erhöhte Dissipation verursacht. Die beobachtete charakteristische (hier invers) S-förmige Quellform der weichen Röntgenstrahlung zu Beginn solarer Eruptionen stimmt sehr gut mit den beiden J-förmigen Strukturen überein.

Die ausbrechende Flussröhre selbst, deren Projektion die entgegengesetzte S-Form annimmt, wird interessanterweise im Röntgenlicht nicht sichtbar, da sich die Stromdichte in ihr weniger aufsteilt als in der Stromschicht.

(Bernhard Kliem, Tibor Török, Astrophysikalisches Institut Potsdam)


Simulationen von Supernova-Explosionen

Supernova-Explosionen gehören zu den energiereichsten Phänomenen im Universum. Sie beenden das Leben massereicher Sterne und spielen eine entscheidende Rolle im Kreislauf des Werdens und Vergehens von Sternen, in denen schwere chemische Elemente durch Kernreaktionen erzeugt werden. Computermodelle sind unverzichtbar zum theoretischen Verständnis der komplexen Prozesse, die zur Sternexplosion führen und die beobachteten Eigenschaften von Supernovae erklären.

Supernova 0,05 s Supernova 0,15 s
Supernova 0,45 s Supernova 1,00 s

Die Abbildungen zeigen den Beginn der Explosion rund 0,05, 0,15, 0,45 und 1,0 Sekunden, nachdem der Kernbereich eines Sterns mit der 15-fachen Masse unserer Sonne zu einem Neutronenstern von nur 20 km Radius kollabiert ist. Die Blasen umgeben den zentralen (hier nicht sichtbaren) Neutronenstern und enthalten heißes, aufsteigendes Gas, das die schnelle Ausbreitung der Explosionswelle antreibt. Das dargestellte Raumgebiet hat eine Ausdehnung von 400, 500, 3000 und 20000 km. Für die Aufheizung der Gasblasen sind Elementarteilchen verantwortlich, deren Reaktionen die Explosion in dieser dreidimensionalen Simulation verursachen.

(Leonhard Scheck, Konstantinos Kifonidis, Hans-Thomas Janka, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching)


Direkte Simulation astrophysikalischer Vielkörpersysteme (Sternhaufen, dichte Sternsysteme um massereiche Schwarze Löcher)

Sternhaufen vorher Sternhaufen nachher

In diesen Simulationen wechselwirkt eine große Anzahl von Teilchen (dies sind die Sterne) nur durch ihre gravitativen Kräfte. Relaxation und Wärmeleitung werden durch den kumulativen Effekt von Kleinwinkelstreuungen vermittelt und konkurrieren mit externen Störeffekten, wie zum Beispiel der Gravitationskraft eines sehr massereichen Schwarzen Loches von einigen Millionen Sonnenmassen, wie es im Zentrum unserer Milchstraße entdeckt wurde. In diesem Beispiel verfolgen wir einen Sternhaufen, ähnlich einem Kugelsternhaufen, der in die Nähe des Zentrums der Milchstraße gerät. Er wird durch starke Tidenkräfte des zentralen Schwarzen Loches verformt und schließlich völlig verzerrt in eine Konfiguration aus zwei Spiralarmen, in deren Konvergenzpunkt sich das sehr massereiche Schwarze Loch befindet. Diese Bilder wurden mit Hilfe des speziellen Interfaces der VISIT- Software des NIC-ZAM für unsere N-Body-Simulationscodes produziert. Die Bilder enthalten einen Farbcode für die lokale Sternendichte, und kleine Pfeile symbolisieren die Geschwindigkeiten einzelner Sterne. Um eine bessere Grafikdarstellung zu erreichen, wurden nicht alle Sterne der Simulation hier aufgetragen. In anderen Modellen untersuchen wir mit ähnlichen Methoden die Entwicklung von gebundenen Paaren sehr massereicher Schwarzer Löcher (mit der möglichen Entstehung starker Gravitationswellen bei der Verschmelzung der beiden Schwarzen Löcher) sowie die Stabilität und Entstehung extrasolarer Planetensysteme.

(Rainer Spurzem, Gabor Kupi, Patrick Glaschke, Christoph Eichhorn, Astronomisches Rechen-Institut, Heidelberg; Chingis Omarov, Fessenkov Observatory, Almaty Kazakhstan)


Entstehung und Entwicklung von Galaxienhaufen

Galaxienhaufen bestehen aus Hunderten oder Tausenden von Galaxien, die über ein Gebiet von einigen Millionen Lichtjahren Durchmesser verteilt sind. Der Raum zwischen den Galaxien ist von einem heißen, Röntgenstrahlen emittierenden Gas ausgefüllt. Ein Aspekt unserer Untersuchungen ist das Verhältnis von beobachtbaren Eigenschaften, wie der Leuchtkraft oder der Temperatur des Gases, zur Verteilung der dunklen Materie im Haufen. Wir haben kosmologische Simulationen in einem Würfel von etwa 300 Millionen Lichtjahren Kantenlänge mit einigen zehn Millionen Teilchen im Gebiet des Galaxienhaufens gerechnet. Sie haben gezeigt, dass die dunkle Materie auf allen Massenskalen Klumpen bildet, während das adiabatisch entwickelte Gas viel gleichmäßiger im Haufen verteilt ist. Man kann deutlich die Gasströme erkennen, die aus den Galaxien herausgerissen werden, die sich mit hoher Geschwindigkeit im Potential des Galaxienhaufens bewegen. Nur aufgrund der außergewöhnlich hohen Kraft- und Massenauflösung dieser Simulation kann man die zahlreichen Details untersuchen, die in diesen Abbildungen zu erkennen sind.

Galaxienhaufen
Galaxienhaufen

(Stefan Gottlöber, Astrophysikalisches Institut Potsdam; Gustavo Yepes, Universidad Autonoma de Madrid; Matthias Hoeft, International University Bremen)


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S.Hoefler-Thierfeldt@fz-juelich.de, 23-Mar-2005
URL: <http://www2.fz-juelich.de/nic/Publikationen/Broschuere/astrophysik-d.html>