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NIC-Broschüre online: Elementarteilchenphysik

Die Broschüre des John von Neumann-Instituts für Computing gibt es auf Deutsch und auf Englisch. Sie kann bestellt werden beim NIC-Sekretariat (nic@fz-juelich.de).

deutsche Broschüre (pdf)   |  English brochure (pdf)



Einleitung Scientific Computing Astrophysik Elementarteilchenphysik Vielteilchenphysik Polymere Chemie Erde und Umwelt Sonstiges
Einleitung Scientific
Computing
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Viel-
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Polymere Chemie Erde, Umwelt Sonstige
Gebiete


    Elementarteilchenphysik


"Elementarteilchenphysik"

Das heutige Universum hat eine lange Geschichte mit einer ziemlich turbulenten Kindheit hinter sich. In seiner Entwicklung seit dem Urknall durchlief es die kosmologischen Phasenübergänge der elektroschwachen Theorie und der Quantenchromodynamik (QCD). Diese Phasenübergänge transformierten die Welt von einem Zustand, in dem die Elementarteilchen masselos und die Quarks frei waren, in den jetzigen Zustand mit massiven Quarks und Elektronen in stark gebundenen Protonen und Neutronen. Wir glauben, dass diese komplizierten Strukturen durch die Kräfte zwischen einer nur kleinen Anzahl von elementaren Teilchen beschrieben werden kann: den sechs Quarks, den drei Leptonen mit den drei zugehörigen Neutrinos und den Teilchen, die die Kräfte zwischen ihnen vermitteln. Es ist eine der faszinierenden Eigenschaften der Elementarteilchenphysik, dass die Vielzahl physikalischer Phänomene, die in Experimenten beobachtet werden, durch nur zwei Wechselwirkungen beschrieben werden kann: die elektroschwache und die starke Wechselwirkung. Unsere theoretische Beschreibung dieser Wechselwirkungen ist im so genannten Standardmodell zusammengefasst, das aus der elektroschwachen Theorie und der Quantenchromodynamik besteht. Es sollte allerdings nicht vergessen werden, dass das mysteriöse Higgs-Teilchen, das erforderlich ist, um das Standardmodell zu vervollständigen, bisher experimentell noch nicht beobachtet worden ist. Eine spezielle Rolle spielt die Gravitation, für die eine konsistente theoretische Beschreibung im Rahmen der Quantenphysik noch nicht gefunden wurde.

Entwicklung des Universums

Obwohl das Standardmodell mit analytischen Methoden wie etwa der Störungstheorie untersucht werden kann, können viele Phänomene auf diese Weise nicht berechnet werden. Diese sind z.B. die Eigenschaften der kosmologischen Phasenübergänge, die Massen der Hadronen, die Quarkmassen und die Stärke der starken Kopplung. Der Grund für diese nicht-störungstheoretischen Phänomene liegt einerseits in der (spontanen) Brechung einer Symmetrie, wie sie an einem Phasenübergang stattfindet (ganz ähnlich dem Phasenübergang von Wasser zu Eis) oder aber darin, dass die Kopplungsstärke des Modells so stark wird, dass jede Art von Reihenentwicklung in der Kopplungskonstanten unzuverlässig wird.

Im Jahre 1974 schlug Nobelpreisträger Kenneth Wilson vor, dass zur Untersuchung nicht-störungstheoretischer Phänomene unser Standard-Kontinuum von Raum und Zeit durch ein diskretes 4-dimensionales Punktgitter ersetzt werden sollte. Auf diese Weise kann das Problem mathematisch wohldefiniert formuliert werden, und die komplizierten Gleichungen, die die Wechselwirkungen der Elementarteilchen beschreiben, können auf einem Computer gelöst werden. Ende der 70er Jahre machte Michael Creutz diesem Vorschlag folgend die ersten "Computerexperimente", die zeigten, dass physikalische Größen der QCD tatsächlich mit numerischen Simulationstechniken berechnet werden können.

Auf Gitter-QCD wird heute weltweit immer häufiger zurückgegriffen, wenn nicht-störungstheoretische Informationen erforderlich sind, um experimentelle Daten zu interpretieren. Dies führte dazu, dass die Gittereichtheorie inzwischen ein integraler Bestandteil der theoretischen Hochenergiephysik geworden ist und sich nunmehr sogar mit Simulationen supersymmetrischer Theorien beschäftigt.

Die Gittereichtheoretiker mussten jedoch auch erkennen, dass bei den Rechnungen auf dem Gitter eine Anzahl systematischer Fehler kontrolliert werden muss. Beispielsweise muss die durch das Gitter eingeführte Diskretisierung letztendlich beseitigt werden, um wieder zur Kontinuum-Theorie zu kommen ("Kontinuum-Limes"). Daher muss der Abstand der Gitterpunkte kleiner und kleiner gewählt werden, was zu immer größeren Zahlen von Gitterpunkten führt, wodurch die Simulation allerdings immer teurer wird. Andere Beispiele sind der Einfluss des endlichen Volumens des Gitters und die Extrapolation der Daten zu Werten von Quarkmassen, die aus Experimenten geschätzt werden können. Die Gemeinschaft der Gittereichtheoriephysiker hat eine Anzahl von Strategien entwickelt, um solche systematischen Fehler in den Griff zu bekommen, und ist nun in der Lage, Werte für physikalische Größen zu berechnen.

Ein wesentliches Hindernis bleiben jedoch die Kosten der Simulationen. Das numerische Problem besteht in der Lösung eines Systems linearer Gleichungen mit einer Koeffizienten-Matrix, die von der Größe von etwa einer Million mal einer Million oder größer ist. Während der Simulationen verändern sich die Koeffizienten, und dieses große Gleichungssystem muss wieder und wieder gelöst werden, mehrere 1000 Mal, um nur einen einzigen Datenpunkt zu berechnen. Dies stellt eine echte Herausforderung an die numerischen Berechnungen dar.

Glücklicherweise erfordern die betrachteten Modelle nur Wechselwirkungen zwischen nächsten Nachbarn auf dem Gitter. Dies erlaubt eine problemlose Bereichszerlegung und eine mehr oder weniger triviale Parallelisierung des Problems. Darüber hinaus werden bei der Berechnung im Wesentlichen Gleitkomma-Operationen durchgeführt. Dies legt nahe, dass einerseits alle massiv-parallelen Rechnerarchitekturen gut für Gittersimulationen geeignet sind und andererseits viele Eigenschaften hochentwickelter ("General Purpose") Rechner z.B. für die Erzeugung der Feldkonfigurationen nicht unbedingt erforderlich sind. Dies führte schon früh zur Entwicklung spezialisierter, massiv-paralleler Rechnerarchitekturen für Quantenchromodynamik-Simulationen. Eine ist der QCDOC-Rechner (QCD on Chip) in den USA, der andere der APE-Rechner (Array Processor Experiment) in Europa. Im NIC werden der APE-Spezialrechner (bei DESY in Zeuthen installiert) und die General-Purpose-Rechner in Jülich gemeinsam in einem dualen Modus benutzt, so dass verschiedene Aspekte der numerischen Probleme auf unterschiedlichen Architekturen gelöst werden können.

Der Fortschritt in der Gittereichtheorie und die Entwicklung von Computerarchitekturen, die heute eine Performance von mehreren TeraFlops aufweisen, führte zu vielen physikalischen Ergebnissen, die immer mehr auch ihren Weg in das "particle data booklet" finden, die "Bibel" der Hochenergiephysiker. Beispiele sind der Wert der starken Kopplungskonstanten, die Quarkmassen, hadronische Matrixelemente, Formfaktoren, das Glueball-Spektrum und sogar ein Zufallszahlengenerator. Ein anderes Gebiet, in dem Ergebnisse der Gitterrechnungen wesentlich sind, ist Materie unter extremen Bedingungen, z.B. in Schwerionenstößen oder in Neutronensternen. Hier liefern die Gitterrechnungen quantitative Informationen z.B. über die kritische Temperatur, den Druck und das Teilchenspektrum. So spielen Gitterrechnungen schon jetzt eine wichtige Rolle bei der Interpretation experimentell gewonnener Daten. Eine Auswahl solcher Resultate von mehreren Gruppen in Deutschland ist in den Abbildungen und ihren Beschreibungen zusammengestellt.

In Deutschland haben Gittereichtheorie-Physiker aus über 20 Universitäten und Forschungslabors ein Gitterforum (LatFor) gebildet, um das physikalische Programm zu diskutieren und zu koordinieren, die Computerressourcen und die erzeugten Daten gemeinsam zu nutzen und herauszufinden, was die Erfordernisse für zukünftige Simulationen sind. Hierbei stellte sich heraus, dass Computer mit einer Leistung von mehreren TeraFlops erforderlich sind, um das physikalische Programm der nächsten Jahre durchführen zu können. Um jedoch präzise Zahlen zu erhalten und die Quantenfeldtheorie auch auf einem quantitativen Niveau zu verstehen, wird es erforderlich sein, dass zukünftige Rechner eine Leistung von mehr als 100 TeraFlops erreichen.

(Karl Jansen, NIC DESY-Zeuthen)


Die Quarkwellenfunktion

Quarkwellenfunktion

Ein Schnitt durch ein Gitter zeigt eine Quarkwellenfunktionsdichte in einer Zeit- und einer Raumrichtung des Gitters. Die Quarkwellenfunktion ist stark lokalisiert, was darauf hindeutet, dass sie zu einem lokalen topologischen Objekt der Gittereichfelder gehört, wie etwa Instantonen oder Monopolen. Es wird angenommen, dass diese Objekte eine wichtige Rolle für das Verständnis der Mechanismen des Quark-Confinement und der chiralen Symmetriebrechung spielen.

(Quelle: Chi LF-Kollaboration)


Hadronische Materie und Quark-Gluon-Plasma

Hadronische Materie und das Quark-Gluon-Plasma

Das Phasendiagramm stark wechselwirkender Materie als Funktion von Temperatur und Baryonzahldichte wird theoretisch in Gitterrechnungen und auch experimentell in Schwerionenstoßexperimenten in Brookhaven, USA (RHIC) und zukünftig an europäischen Beschleunigern in CERN, Genf, (LHC) und der GSI Darmstadt untersucht. Gegenwärtige Resultate der Untersuchung des Phasendiagramms deuten darauf hin, dass eine starke Abhängigkeit der Eigenschaften des Übergangs von der Baryonzahldichte gegeben ist. Während der Übergang bei niedriger Dichte sehr glatt verläuft, wird erwartet, dass es bei hoher Dichte ein Phasenübergang erster Ordnung ist. Beide Gebiete sind durch einen Punkt (kritischer Punkt) getrennt, in dem ein Phasenübergang zweiter Ordnung stattfindet. Das Phasendiagramm wird in Gitterrechnungen in Deutschland intensiv durch Gruppen in Bielefeld und Wuppertal untersucht.


Quarkmassen

Quarkmassen

Die Massen der Quarks sind grundlegende Parameter des Standardmodells, die aber nicht direkt im Experiment gemessen werden können. Die Zeichnung zeigt Datenpunkte der Quarkmassen aus Gitterrechnungen in der so genannten "Quenched Näherung". Der mit "light" bezeichnete Datenpunkt beschreibt den Durchschnitt der up- und down-Quarkmassen. Die grün unterlegten Flächen zeigen die Fehlerbreite, die von der "particle data group" angegeben wird, wobei auch andere Methoden als die Gittereichtheorie verwendet werden.

(Quelle: ALPHA-Kollaboration)


Quark-Confinement

Quark-Confinement

Ergebnisse auf dem Gitter für die Felder zwischen einem Quark-Antiquark-Paar. Gezeigt sind ein statisches Quark q und ein Antiquark q¯, die durch einen Abstand von etwa einem Fermi voneinander getrennt sind. Die linke Abbildung zeigt die farbelektrischen Flusslinien, während die rechte die farbmagnetischen Monopolströme zeigt. Das Bild führt zu der Interpretation eines dualen Supraleiters mit kondensierten Monopolen. Durch den dualen Meissner-Effekt ist der elektrische Fluss auf einen engen Schlauch beschränkt. Das Resultat ist ein linear ansteigendes Potential zwischen Quark und Antiquark.

(Gerrit Schierholz, DESY-Zeuthen, für die QCDSF-Kollaboration)


Aufbrechen des Strings in der QCD

Aufbrechen des Strings in der QCD Aufbrechen des Strings in der QCD

Das quantenmechanische Vakuum erzeugt und vernichtet virtuelle Quark- und Antiquark-Paare entsprechend Heisenbergs Unschärfe-Relation. Infolgedessen wird der enge Flussschlauch in Stücke zerrissen, wie in der linken Abbildung skizziert ist. Kürzlich hat die SESAM- Kollaboration das Aufbrechen des Strings in der Computersimulation demonstriert, indem sie das Überkreuzen der Potentiale für Grundzustand und angeregten Zustand berechnet hat, wobei der Abstand der beiden Kurven bei r/a = 15 im Diagramm ein deutliches Zeichen für das dynamische Aufbrechen der Strings darstellt.

(Thomas Lippert, NIC-ZAM, Jülich, für die SESAM-Kollaboration)


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S.Hoefler-Thierfeldt@fz-juelich.de, 23-Mar-2005
URL: <http://www2.fz-juelich.de/nic/Publikationen/Broschuere/astrophysik-d.html>