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NIC-Broschüre online: Scientific Computing

Die Broschüre des John von Neumann-Instituts für Computing gibt es auf Deutsch und auf Englisch. Sie kann bestellt werden beim NIC-Sekretariat (nic@fz-juelich.de).

deutsche Broschüre (pdf)   |  English brochure (pdf)



Einleitung Scientific Computing Astrophysik Elementarteilchenphysik Vielteilchenphysik Polymere Chemie Erde und Umwelt Sonstiges
Einleitung Scientific
Computing
Astro-
physik
Elementar-
teilchen
Viel-
teilchen
Polymere Chemie Erde, Umwelt Sonstige
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    Scientific Computing


"Scientific Computing"

Wissenschaftliches Rechnen auf Höchstleistungsrechnern spielt international in den großen Forschungseinrichtungen schon seit vielen Jahren eine wichtige Rolle. Als 1983 das Forschungszentrum Jülich mit der Installation des Rechners CRAY X-MP, des ersten Vektorrechners dieser Leistungsklasse in Europa, in das Supercomputing einstieg, wurden hier neue Akzente gesetzt. Das wissenschaftliche Rechnen wurde seitdem in Richtung Höchstleistungsrechnen, Simulation und Modellierung konsequent fortentwickelt, sowohl durch die Erforschung neuer Algorithmen und Methoden, durch die Erweiterung des Anwendungsspektrums, als auch durch den Ausbau der innovativen Rechnerausstattung.

Das Flaggschiff der Rechnerressourcen, die derzeit für das NIC in Jülich bereit stehen, ist der im Januar 2004 installierte IBM-Supercomputer "Jump". Außerdem sind ein Vektorrechner und verschiedene Cluster-Systeme installiert. Als Speichermedien stehen für Supercomputeranwendungen Magnetplatten und Magnetkassettenroboter mit einer Speicherkapazität von 2,2 PetaByte zur Verfügung.

Für Anwendungen aus dem Gebiet der theoretischen Elementarteilchenphysik sind in Zeuthen für das NIC Parallelrechner mit SIMD-Architektur installiert. Diese Rechnerarchitektur hat sich insbesondere bei der Simulation von Problemen der Quantenchromodynamik als besonders leistungsfähig erwiesen.

Um den Anwendern des NIC den größtmöglichen Nutzen aus den bereitgestellten Rechnerressourcen bieten zu können, sind Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Einbindung der Höchstleistungsrechner in den Rechnerbetrieb, zum Beispiel durch Entwicklung neuer Überwachungssysteme, und zum Anschluss an Hochgeschwindigkeitsnetze unerlässlich. Die Weiterentwicklung der Netztechnologien, z.B. innerhalb nationaler Kooperationen wie VIOLA, ist daher von besonderer Bedeutung.

Unmittelbare Unterstützung finden die Nutzer des NIC durch projektbegleitende Beratung, durch Kurse und durch den Erfahrungsaustausch bei Anwender-Workshops. Das NIC-ZAM verfolgt bei der Nutzerunterstützung ein dreistufiges Konzept: Der Helpdesk löst die kleinen alltäglichen Probleme, für Methoden und Programmoptimierung stehen Fachberater zur Verfügung; außerdem ist jedem Projekt ein Betreuer zugeordnet, mit dem es eine langfristige wissenschaftliche Partnerschaft eingehen kann.

Die Vielfältigkeit der NIC-Projekte erfordert sowohl ein eingehendes Verständnis von unterschiedlichen Simulationsmethoden und Technologien, als auch die Bereitstellung von Werkzeugen zur effektiven Systemnutzung und zum einfachen, doch sicheren Zugang zu den Ressourcen. Daher nehmen im NIC-ZAM auch die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in den Bereichen "Computational Science", Informatik und angewandter Mathematik einen breiten Raum ein. Die Aktivitäten umfassen die Entwicklung von Grid-Umgebungen sowie von Werkzeugen zur Optimierung paralleler Programme (KOJAK) und zur Visualisierung und Steuerung von Simulationen.

Das NIC-ZAM ist bestrebt, sich mit seiner Rechnerausstattung an der Weltspitze zu behaupten. Die Beobachtung der Entwicklung neuer Rechnerarchitekturen und die Untersuchung zukünftiger Systeme - seien es Cluster mit schnellen Netzwerken oder Leadership-Class-Systeme für höchste Performance - ist daher ein erklärtes Ziel.

(Rüdiger Esser, NIC-ZAM, Jülich)


IBM-Supercomputer Jump in Jülich

IBM-Supercomputer Jump in Jülich

Der Supercomputer, ein IBM p690-Cluster mit dem Kosenamen Jump (Jülich Multi Processor), besteht aus 41 Rechnerknoten mit jeweils 32 Prozessoren des Typs Power4+ mit 1,7 GHz Taktrate und jeweils 128 GByte gemeinsamen Hauptspeicher. Alle Knoten sind über ein schnelles Verbindungsnetzwerk "High Performance Switch" miteinander verbunden. Das Gesamtsystem kommt auf eine Spitzenleistung von 8,9 TeraFlops. Benutzer können Anwendungen mit mehreren hundert Prozessoren und bis zu 5 TeraByte Hauptspeicher ausführen.


Automatischer Kassettenroboter

Automatischer Kassettenroboter

Drei Silos dieses Magnetkassettenroboters stellen eine Speicherkapazität von 2,2 PetaByte für den Supercomputer in Jülich bereit.


Response Time Monitor

Response Time Monitor

Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit interaktiver Systeme ist das Antwortzeitverhalten ein bestimmender Faktor. Zur Messung dieses Verhaltens mit der Möglichkeit zur frühzeitigen Erkennung von Engpasssituationen wurde ein Response Time Monitor (RTM) entwickelt und zur Überwachung der zentralen interaktiven Rechnersysteme in Jülich eingesetzt. Ein RTM-Agent simuliert dabei eine interaktive Sitzung eines "Standard-Benutzers" durch eine Folge von Kommandos, Programmaufrufen und "Denkpausen". Die gemessenen Antwortzeiten und weitere Parameter (z.B. Systemauslastung, Anzahl aktiver Benutzer) werden an einen WWW-Server übermittelt, der die Messwerte als HTML- Dokument für das Internet bereitstellt.

(Wolfgang Gürich, NIC-ZAM, Jülich)


Massiv-parallele APE-Rechner

APE-Rechner

DESY hat in Zeuthen einen massiv-parallelen APEmille-Supercomputer für Anwendungen in der theoretischen Elementarteilchenphysik installiert. Dieser Rechner besteht aus 1.104 Prozessoren, die über 8 "Crates" verteilt und mit einem schnellen dreidimensionalen Verbindungsnetzwerk verbunden sind. Der Rechner erreicht eine Peak-Performance von 583 GFlops. Anwendungen in der Gittereichtheorie erzielen eine sehr hohe Effizienz von 50 % oder mehr der Peak-Performance. Dies, zusammen mit der Stabilität des Rechners, hat den APEmille-Rechner zum Arbeitspferd für Gittereichtheoriephysiker in Deutschland gemacht. Die Rechenzeit auf dem APEmille-System wird durch die Rechenzeitkommission des NIC vergeben.

APE-Rechner

Der APEmille-Rechner wurde in einer Zusammenarbeit zwischen dem Istituto Nazionale di Fisica Nucleare (INFN) in Italien und DESY gebaut. Der Erfolg dieses Rechners und die zukünftigen Erfordernisse an Rechenzeit, die durch ein europäisches ECFA-Komitee evaluiert wurden, überzeugten INFN und DESY, den ehrgeizigen Plan zu verfolgen, einen Nachfolge-Rechner, apeNEXT, zu entwickeln. Er soll eine Rechenleistung von ungefähr 10 TeraFlops erreichen. Dies würde auch die Rechenerfordernisse, die von dem deutschen Gittereichtheorieforum (LatFor) formuliert worden sind, erfüllen. Die Universität von Paris-Süd hat sich der apeNEXT-Kooperation angeschlossen und andere Institutionen wie etwa die Universität Bielefeld haben zu dem Projekt beigetragen. Die Entwicklung des Prozessors, der gesamten anderen Hardware und auch der meisten Software-Komponenten des apeNEXT-Systems ist inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Anfang 2005 soll ein Prototyp-Rechner des apeNEXT-Typs mit einer Peak-Performance von 1,6 TeraFlops installiert werden und erste Anwendungsprogramme ausführen. Auf der Grundlage dieses Prototyps können dann größere Installationen, die im Multi-Teraflops-Bereich liegen, installiert werden.

(Karl Jansen, Dirk Pleiter, Hubert Simma, NIC, DESY-Zeuthen)


JuNet und seine Verbindungen zum Rest der Welt

JuNet Eine Aufgabe des ZAM ist die Bereitstellung leistungsfähiger Kommunikationssysteme nach dem jeweiligen Stand der Technik. Heute ist der überwiegende Teil von JuNet, dem Campus- Netzwerk des Forschungszentrums, ein zentral verwaltetes geswitchtes Ethernet mit 100 und 1000 Mbit/s, das sich auf eine Glasfaser-Infrastruktur stützt. Es wird durch ein rasch wachsendes Funknetz ergänzt.

Neben dem ISDN, das überwiegend für den Zugang zum JuNet aus dem Privatbereich genutzt wird, erfolgt die weltweite Netzeinbindung des Forschungszentrums über das Gigabit Wissenschaftsnetz (G-WiN) des DFN-Vereins, derzeit mit einem 622 Mbit/s-Anschluss. Als Partner im Projekt VIOLA beteiligt sich das Forschungszentrum an den Vorbereitungen für die nächste Generation des Wissenschaftsnetzes - das X-WiN.

Zusätzlich betreiben das ZAM und zwei Hochschulen in Jülich und Aachen mithilfe angemieteter Glasfasern (sog. "dark fibres") ein eigenes Netz zwischen ihren Einrichtungen. Es ermöglicht Kooperationen mit sehr anspruchsvollen Kommunikationsanforderungen zwischen diesen Institutionen. Zurzeit werden die Glasfasern für den Zugang des Forschungszentrums zum G-WiN-Standort in Aachen und für die Forschungsprojekte DEISA und VIOLA eingesetzt.

Im Vorfeld der Betriebseinführung innovativer Kommunikationstechniken führt das ZAM Pilotimplementierungen neuer Netztechniken und Betatests neuer Gerätegenerationen durch.

(Thomas Eickermann, NIC-ZAM, Jülich)


VIOLA: ein Testbed für innovative Netzwerktechnologien und Grid-Anwendungen

Zusätzlich zu dem stetig wachsenden Bedarf an Bandbreite im Internet verlangt das neue Paradigma des Grid-Computing nach einer neuen Qualität von Diensten im Netz. Grid-Computing ist eine Technologie, die stoßkantenfreien Zugang zu und Benutzung von verteilten Ressourcen wie Höchstleistungsrechnern, riesigen Datenarchiven oder experimentellen Instrumenten ermöglicht und dadurch Wissenschaftlern und Ingenieuren gänzlich neue Wege der Arbeit und Zusammenarbeit eröffnen soll. Grid-Anwendungen benötigen häufig die flexible Bereitstellung von hoher Netzwerkbandbreite auf Anforderung, oft in Kombination mit Qualitätsgarantien. Heutige Netzwerke sind nicht in der Lage, derartige Anforderungen effizient zu erfüllen.

VIOLA-VerbundDas vom BMBF geförderte Projekt VIOLA (Vertically Integrated Optical testbed for Large Applications) befasst sich mit diesen Herausforderungen und dient als Pilotprojekt für X-WiN, die nächste Generation des Wissenschaftsnetzes in Deutschland. Ein vom DFN-Verein koordiniertes Konsortium von sechs Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie drei industriellen Partnern baut dazu ein nationales optisches Testbed im Raum Aachen-Jülich-Köln-Bonn auf (zunächst mit 10 Gbit/s Ethernet- und SDH-Verbindungen). Eine Erweiterung nach Bayern und eine Anbindung an das europäische Forschungsnetz GÉANT sind in Vorbereitung. Im Projekt werden neueste Netzwerk-Komponenten getestet und eingesetzt sowie Software zur dynamischen Bandbreitensteuerung entwickelt.

Innerhalb des Projektes VIOLA entwickelt das ZAM schwerpunktmäßig Grid-Anwendungen so weiter, dass sie die Bandbreiten und Qualitätsmerkmale der neuen Netztechnik optimal nutzen können. Die verteilte Simulation von Schadstoffausbreitung im Boden (in Zusammenarbeit mit ICG-IV im Forschungszentrum Jülich) oder die verteilte kollaborative Visualisierung großer atmosphärischer Datensätze sind derartige Anwendungen. UNICORE wird dabei als Grid-Middleware eingesetzt und um Komponenten zur gleichzeitigen Reservierung und Nutzung von Ressourcen einschließlich der benötigten Netzwerk- Bandbreiten erweitert.

(Thomas Eickermann, NIC-ZAM, Jülich)


Grid Computing

Grid-Computing ist eine Schlüsseltechnologie, die es Wissenschaftlern in Forschung und Industrie ermöglicht, anspruchsvollste, komplexe Probleme zu lösen und in neuartiger Weise zusammenzuarbeiten. Grids integrieren über schnelle Netze verteilte Computing-Ressourcen, Daten aus Experimenten - z.B. Tomographen, Beschleunigern, Teleskopen oder Satelliten - , Daten aus Simulationsrechnungen, und sie ermöglichen die Visualisierung und Speicherung der Ergebnisse an beliebigen Orten. Die so gestaltete Wissensumgebung erlaubt es, virtuelle Organisationen dynamisch zu schaffen und damit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf neuartige Weise mit hoher Effizienz durchzuführen. Zusammengefasst: Grids ermöglichen e-Science (enhanced Science).

Das ZAM kann auf dem Gebiet des Grid-Computing auf eine lange Reihe von Erfolgen zurückblicken. Es leitete die Entwicklung von UNICORE (Uniform Interface to Computing Resources) einer vertikal integrierten Grid-Software mit folgenden herausragenden Eigenschaften: Benutzer können über eine intuitive, graphische Oberfläche komplexe Arbeitsabläufe formulieren und diese stoßkantenfrei und sicher auf allen Systemen im einem Grid ausführen. UNICORE übersetzt die Anforderungen des Benutzers in die jeweiligen spezifischen Befehle für die Zielsysteme und steuert den Ablauf der Einzelaufgaben. UNICORE-Nutzer müssen sich nicht mehr in die Interna von Betriebssystemen oder in die Konventionen der Rechenzentren einarbeiten. X.509-Zertifikate - der etablierte Grid-Standard - gewährleisten Sicherheit einschließlich Verschlüsselung und single-sign-on. UNICORE passt sich den Policies der beteiligten Zentren an und erfordert keine Änderung der bewährten Praxis.

Die UNICORE-Software ist als Open Source unter BSD-Lizenz verfügbar. Das ZAM unterstützt Nutzer aus Forschung und Lehre beim Einsatz und koordiniert die Weiterentwicklung. UNICORE ist die Basis für mehrere erfolgreiche EU-Projekte, die die Software funktionell erweiterten und zu deren internationaler Anerkennung beitrugen. Das Projekt GRIP (Grid Interoperability Project) zeigte, dass UNICORE und Globus sich auf natürliche Weise ergänzen. UNICORE-Jobs können ohne Änderung sowohl auf UNICORE- als auch Globus-Ressourcen ausgeführt werden, ohne dass die Anwendung geändert werden muss.

Eine der herausragenden Eigenschaften von UNICORE ist seine erweiterbare Anwendungsunterstützung. Dies wird im EU-Projekt OpenMolGRID genutzt, das zum Ziel hat, die Entwicklung neuer Wirkstoffe mittels Grid-Technik zu beschleunigen. Ausgehend von den Eigenschaften chemischer Verbindungen, die in unterschiedlichen Datenbanken verfügbar sind, werden neue Moleküle im Computer zusammengesetzt und ihre pharmakologischen Eigenschaften berechnet. Nur eine kleine Auswahl muss dann im Labor synthetisiert werden. Um den Prozess zu automatisieren, erzeugt UNICORE anhand globaler Vorgaben des Chemikers einen detaillierten, im Allgemeinen sehr komplexen Arbeitsablauf (Abb. oben). Dieser Prozess kann Tausende von Einzelberechnungen mit unterschiedlichen Algorithmen auslösen, die auf verteilten Systemen ablaufen (Abb. Mitte). Der Wissenschaftler selektiert dann die Erfolg versprechenden Kandidaten (Abb. unten).

Grid-Computing wird langfristig nur dann erfolgreich bleiben, wenn geeignete Standards geschaffen werden. Die Open Grid Service Architecture (OGSA) des Global Grid Forums (GGF) definiert den Rahmen, innerhalb dessen Organisationen wie OASIS und W3C spezifische Standards definieren. ZAM arbeitet aktiv im GGF und in OASIS mit. Das EU-Projekt UniGrids (Uniform Interface to Grid Services) sichert die Weiterentwicklung von UNICORE zu einem OGSA-konformen Grid-System.

OpenMolGRID workflow
OpenMolGRID workflow
OpenMolGRID workflow

(Dietmar Erwin, NIC-ZAM, Jülich)


Wissenschaftliches Rechnen

Einsatzgebiete Wissenschaftlichen Rechnens

Ein Ziel des "Wissenschaftlichen Rechnens" ist die Simulation von Problemen, die anders nur schwer oder gar nicht zugänglich wären. Obwohl sich in verschiedenen Forschungsgebieten, wie z.B. der Quantenchemie, der Festkörperphysik oder der Molekular-Dynamik, mit der Zeit spezifische Methoden entwickelt haben, stehen sie ähnlichen (computer-)technischen Herausforderungen gegenüber. Daher profitieren sie erheblich von einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen den Natur- und Ingenieurwissenschaften, der Informatik und der angewandten Mathematik. Das NIC-ZAM beteiligt sich in enger Zusammenarbeit mit führenden Forschergruppen an der Methodenentwicklung insbesondere für HPC-Systeme. Der Schwerpunkt dieser Entwicklungsarbeiten liegt aufgrund ihrer Bedeutung für die NIC-Nutzerschaft in der Physik und Chemie.

Einige Forschungsgebiete, die im NIC-ZAM bearbeitet werden, sind in der Abbildung dargestellt. Die Themen reichen von Vielteilchen-Problemen (große Systeme, aber ziemlich geringe Genauigkeit) bis hin zur Elementarteilchenphysik (kleine Systeme, aber hohe Genauigkeit): Die Vielteilchen-Dynamik beschäftigt sich mit der zeitlichen Entwicklung von Systemen, die bis 100 Millionen Teilchen enthalten. Aufgrund der physikalischen Eigenschaften ist es notwendig, die Prozesse auf einer Zeitskala von 10-15 Sekunden zu beschreiben, während die Simulationszeit bis zu 10-3 Sekunden sein kann; dies führt dann zu ca. 1012 Zeitschritten pro Rechnung! Folglich muss die Genauigkeit der Modelle eingeschränkt werden, um annehmbare Rechenzeiten zu erreichen.

Katalytische Reaktionen sind anspruchsvolle Probleme der industriellen Chemie, aber von beträchtlicher praktischer Bedeutung. Ein realistisches Modell muss auf der Quantenmechanik, d.h. der approximativen Lösung der Schrödinger-Gleichung, basieren. Glücklicherweise gibt es Methoden für diese Art Probleme, wie die Dichtefunktionaltheorie, die gute Ergebnisse bei verhältnismäßig niedrigen Rechenkosten liefern. Jedoch wenn zusätzliche Effekte, z.B. angeregte Zustände der Moleküle, für die Reaktionen wichtig werden, müssen genauere quantenmechanische Methoden verwendet werden, dies aber auf Kosten zunehmender Rechenzeiten.

Geht man nun zu den kleinsten physikalischen Teilchen, nämlich den Atomkernen, ihren Bestandteilen oder anderen Elementarteilchen, so endet man schließlich bei der Gitter-Quantenfeldtheorie, für die sogar heutige TeraFlops-Supercomputer nicht leistungsfähig genug sind, um abschließende Antworten zur subatomaren Struktur der Materie zu geben.

Unabhängig davon, ob der kritische Parameter die erreichbare Systemgröße oder die Genauigkeit des Modells ist, haben alle diese unterschiedlichen Forschungsfelder gemeinsam, dass sie auf neueste Computerarchitekturen, Werkzeuge für die Optimierung und/oder Parallelisierung der Programme sowie effiziente und leistungsfähige (mathematische) Algorithmen angewiesen sind. Daher ist eine der Hauptaufgaben des NIC-ZAM die Förderung des "Wissenschaftlichen Rechnens" durch Methodenentwicklung in wissenschaftlichen Schlüsselgebieten, indem es den effizienten Einsatz fortschrittlicher Computersysteme unterstützt und Training und Ausbildung für Wissenschaftler und Studenten anbietet.

(Bernd Körfgen, NIC-ZAM, Jülich)


Automatische Leistungsanalyse paralleler Programme mit KOJAK
(Kit for Objective Judgement and Automatic Knowledge-based detection of bottlenecks)

Prinzip von KOJAK

Der Einsatz paralleler Hochleistungsrechner zur Untersuchung wissenschaftlicher Problemstellungen dient dem Ziel, komplexe Simulationsrechnungen in akzeptabler Zeit ausführen zu können. Die effiziente Nutzung der vorhandenen Betriebsmittel ist Voraussetzung für die schnelle Abarbeitung einzelner Programme und für die Optimierung des Gesamtdurchsatzes. Der typische Prozess der Leistungsanalyse besteht in der wiederholten Ausführung der Programminstrumentierung, der Programmausführung mit Leistungsmessung und der Analyse der Leistungsdaten durch den Anwender, bis die ineffizienten Programmteile erkannt sind. Alle drei Schritte erfordern große Erfahrung im Umgang mit den Analysewerkzeugen und ein fundiertes Wissen über mögliche Leistungsengpässe. Ziel der Entwicklung von KOJAK ist die weitgehende Automatisierung dieses Ablaufs (siehe Diagramm). Mit Hilfe einer Datenbasis mit Nachweisregeln lokalisiert, klassifiziert und bewertet eine Analysekomponente potentielle Leistungsengpässe automatisch und meldet diese dem Benutzer sortiert nach deren negativen Einfluss auf die Leistung des Programms. Darüber hinaus, falls nötig, erlauben diese Informationen eine gezieltere und damit effizientere manuelle Analyse mit herkömmlichen Werkzeugen.

(Bernd Mohr, NIC-ZAM, Jülich)


Computational Steering auf Jump mit VISIT

VISIT

Bei der Arbeit mit wissenschaftlichen Simulationsprogrammen kann der übliche Zyklus von Vorbereitung, Programmlauf, Ergebnisüberprüfung im Post-Processing und Neuanpassung von Simulationsparametern durch die Anwendung des Computational Steering erheblich vereinfacht werden. Dabei werden das parallele Simulationsprogramm und die im Post-Processing verwendete Visualisierung direkt miteinander verknüpft, so dass Zwischenergebnisse der Berechnung kontrolliert und Programmparameter direkt angepasst werden können. Dadurch können sowohl die Rechenressourcen besser benutzt als auch Wartezeiten verringert werden.

Für die einfache Anwendung des Computational Steerings ist im Zentralinstitut für Angewandte Mathematik die Bibliothek VISIT (Visualization Interface Toolkit) entwickelt worden, welche die Entwicklung solcher interaktiven und verteilten Simulationen unterstützt. Dabei stellt VISIT Funktionen zur Verfügung, die eine bidirektionale Verbindung zwischen der Simulation und der Visualisierung etablieren und den transparenten Datenaustausch darüber ermöglichen. VISIT unterstützt dabei auch parallele Programme und mit Hilfe eines Directory-Servers (SEAP) den transparenten Verbindungsaufbau. Derzeit werden als Visualisierungssysteme AVS/Express, IDL, VTK, and Perl/Tk unterstützt. Weiterhin wird im EU-Projekt UniGrids ein Grid-Services-Interface entwickelt, das eine Integration von interaktiven Simulationen in das UNICORE-Grid ermöglicht.

(Wolfgang Frings, NIC-ZAM, Jülich)


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S.Hoefler-Thierfeldt@fz-juelich.de, 23-Mar-2005
URL: <http://www2.fz-juelich.de/nic/Publikationen/Broschuere/scientific-computing-d.html>