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NIC-Broschüre online: Sonstige Anwendungsgebiete

Die Broschüre des John von Neumann-Instituts für Computing gibt es auf Deutsch und auf Englisch. Sie kann bestellt werden beim NIC-Sekretariat (nic@fz-juelich.de).

deutsche Broschüre (pdf)   |  English brochure (pdf)



Einleitung Scientific Computing Astrophysik Elementarteilchenphysik Vielteilchenphysik Polymere Chemie Erde und Umwelt Sonstiges
Einleitung Scientific
Computing
Astro-
physik
Elementar-
teilchen
Viel-
teilchen
Polymere Chemie Erde, Umwelt Sonstige
Gebiete


    Sonstige Anwendungsgebiete


"Sonstige Anwendungsgebiete"

Die folgenden Beispiele vermitteln einen zusätzlichen Eindruck von der Vielfalt der am NIC erforschten Fragestellungen. Insbesondere stieg in den letzten Jahren die Anzahl der Anwendungen aus dem lebenswissenschaftlichen Bereich stark an.


Nichtlineare EEG-Analyse von Epilepsie-Patienten

Nichtlineare EEG-Analyse von Epilepsie-Patienten

Epilepsie manifestiert sich nicht nur in Anfällen, sondern auch in charakteristischen Mustern im Elektroenzephalogramm (EEG), und ist deshalb ein wichtiges Anwendungsgebiet moderner Methoden der nichtlinearen Zeitreihenanalyse. In Zusammenarbeit mit der Epileptologischen Klinik der Universität Bonn benutzen wir diese Methoden vor allem, um zwei Ziele zu verfolgen. Das erste ist die Lokalisierung des epileptischen Fokus bei Patienten, bei denen eine Operation erwogen wird.

Die Abbildung zeigt Ergebnisse einer retrospektiven Untersuchung, bei der Gebiete mit erhöhter (grün) und sehr hoher (rot) Wahrscheinlichkeit für den Fokus vorhergesagt wurden, zusammen mit dem Gebiet, das auf Grund anderer Diagnosen tatsächlich operativ entfernt wurde (schwarz). Im vorliegenden Fall war der Fokus richtig erkannt und ganz entfernt worden, und der Patient ist jetzt anfallsfrei. Ein Vorteil unserer Methode ist, dass Daten aus anfallsfreien Perioden zur Lokalisierung ausreichen und dass ihre Aussagen sich nicht immer mit denen anderer Methoden decken. In seltenen Fällen, wo der Patient jetzt nicht ganz anfallsfrei ist, legt unsere Methode nahe, dass ein sekundärer Fokus existierte oder dass der primäre Fokus nicht ganz entfernt wurde.

Ein zweites - und wesentlich ehrgeizigeres - Ziel ist die Vorhersage von Anfällen. Schließlich dient die Untersuchung epileptischer EEGs auch dazu, neue Methoden zu entwickeln, die dann interdisziplinär auch auf andere Probleme angewandt werden.

(Ralph Gregor Andrzejak, Thomas Kreuz, Alexander Kraskov, Peter Grassberger, NIC-Forschungsgruppe "Komplexe Systeme", Jülich; Florian Mormann, Klaus Lehnertz, Christian E. Elger, Klinik für Epileptologie, Universität Bonn; Peter David, Institut für Physik, Universität Bonn)


Synchronisations-Vorgänge im Gehirn

Synchronisations-Vorgänge im Gehirn

Die Abbildung zeigt ein Ergebnis der Synchronisations-Tomographie: Mittels der Magnetenzephalographie werden die vom Gehirn produzierten Magnetfelder gemessen. Die zugrunde liegenden Ströme im Gehirn werden zu jedem Zeitpunkt und in jedem Volumenelement des Gehirns bestimmt. Dann werden Synchronisations-Vorgänge zwischen verschiedenen Hirngebieten oder zwischen rhythmischer Muskelaktivität einerseits und den Hirnströmen im gesamten Gehirn andererseits bestimmt. Die Abbildung zeigt die Stärke, mit der die Gehirnströme im gezeigten Hirnschnitt mit dem Streckmuskel des rechten Zeigefingers während einer langsamen Wechselbewegung synchronisiert sind. Mittels der Synchronisations- Tomographie konnte gezeigt werden, dass sich Synchronisations-Vorgänge im Gehirn während Veränderungen der Bewegungskontrolle drastisch ändern können, wobei die Stärke der Aktivierung in den beteiligten Hirngebieten unverändert bleiben kann.

(Peter Tass, Institut für Medizin, Forschungszentrum Jülich)


Raumzeitliche Strukturen bei Ionenkanälen in Biomembranen

Ionenkanäle sind verantwortlich für den Fluss von Ionen durch Zellmembranen und somit u.a. unentbehrlich für die Weiterleitung von Signalen entlang von Nervenzellen. Die Dynamik von zwei unterschiedlichen, miteinander wechselwirkenden Ionenkanalpopulationen bildet ein erstes Beispiel für eine neue Klasse von nichtlinearen Strukturbildungsprozessen. Die Ionenkanalproteine sind eingebettet in eine flache Biomembran, z. B. in der Nähe eines synaptischen Spaltes, und zusätzlich einem Gradienten in der Ionendichte ausgesetzt.

Raumzeitliche Strukturen bei Ionenkanälen in Biomembranen

Die Abbildung zeigt eine Momentaufnahme der räumlichen Abweichung der Dichte einer der beiden Ionenkanalpopulationen vom konstanten Mittelwert. Hauptmerkmal des Systems, welches es von vielen anderen strukturbildenden Systemen unterscheidet, ist die räumlich oszillierende Dynamik in Verbindung mit einer globalen Teilchenzahlerhaltung. Letztere beruht darauf, dass Ionenkanäle während des gesamten Strukturbildungsprozesses weder erzeugt noch vernichtet werden. Neben intermittentem raumzeitlichem Chaos zeigt das System ebenfalls ein bisher noch unbekanntes und überraschendes Vergröberungsverhalten.

(Markus Hilt, Walter Zimmermann, Theoretische Physik, Universität des Saarlands)


Kompakte Laser-basierte Ionenquellen

Laser-basierte Ionenquellen

Energetische Ionenstrahlen werden für viele wichtige Anwendungen benötigt, etwa in der Herstellung von Isotopen und für Hadronentherapie in bestimmten Bereichen der Krebsbehandlung. Dank ihrer hohen Masse können Ionen viel tiefer in Materie eindringen als z.B. Elektronen, wobei ihre Energie gezielt deponiert werden kann. Neueste Fortschritte in der Kurzpulslasertechnologie ermöglichen es, sehr kompakte Ionenquellen zu entwickeln. Hierbei werden durch Bestrahlung von Festkörperoberflächen extrem hohe elektrische Felder (~GVcm-1) erzeugt, die wiederum Ionen auf mehrere MeV beschleunigen. Trotz dieser experimentellen Erfolge sind die fundamentalen physikalischen Vorgänge dieses Phänomens nur grob verstanden - sogar kontrovers. Im ZAM wurde ein neues gitterfreies Simulationsverfahren entwickelt, um die Coulombkräfte für mehr als 107 Teilchen mittels eines parallelen "tree code" zu berechnen. Das Beispiel hier zeigt eine Wechselwirkung zwischen einem 50 Terawatt-Laser (von links) mit einem 1 µm-Durchmesser Draht. Nach ca. 500 fs, wird der ganze Mittelbereich des Drahts hinausgepresst und dabei auf 3 MeV beschleunigt. Mit Hilfe solcher Simulationsreihen mit verschiedenen Laser- und Targetparametern können wichtige Skalierungsgesetze abgeleitet werden, um diese neuartigen Ionenquellen zu optimieren und zu verbessern.

(Paul Gibbon, NIC-ZAM, Jülich)


Wechselseitige Information und Clusteranalyse

DNA-Stammbaum
EKG Schwangere und Kind

Das Erkennen und Quantifizieren von Gemeinsamkeiten ist von grundlegender Bedeutung in allen Wissenschaften. Ein wichtiges Maß dafür ist die so genannte wechselseitige Information. Ihre numerische Bestimmung ist oft schwierig, aber in unserer Gruppe wurden verbesserte Methoden dafür entwickelt sowie darauf basierende Methoden zur Clusterung von Objekten nach abnehmenden Gemeinsamkeiten. Anwendungen dafür sind zahlreich: Sie reichen von Stammbäumen (hier für 32 Säugetierarten, basierend auf ihrer mitochondrialen DNA) bis zur Zerlegung von Signalen in möglichst unabhängige Komponenten. In der unteren Abbildung wurde dies auf das Elektrokardiogramm (EKG) einer Schwangeren angewandt. Nach der Zerlegung wurden die Komponenten, die der Mutter beziehungsweise dem Fötus entsprechen, wieder zusammengefasst, um so praktisch rauschfreie separate mütterliche und fetale EKGs zu erhalten.

(Harald Stögbauer, Alexander Kraskov, Ralph Gregor Andrzejak, Peter Grassberger, NIC-Forschungsgruppe "Komplexe Systeme", Jülich)


Molekularer Mechanismus der Leitfähigkeit von Ionenkanälen

Leitfähigkeit von Ionenkanälen

Die Regulierung und die Übermittlung von Signalen zwischen Zellen und ihrer Umgebung werden in vielen Fällen mittels Kanälen und Poren, die in den Zellmembranen eingelagert sind, durchgeführt. Sie sind eine wichtige Klasse von biomolekularen Maschinen. Ihre Funktion beruht auf der Selektivität für spezifische Ionen und der hohen Leitfähigkeit durch den Selektivitätsfilter. Das Bild zeigt den Kaliumkanal KcsA, eingebettet in einer Lipidmembran, die beidseitig von Wassermolekülen umgeben ist. Gesteuerte Molekulardynamiksimulationen wurden an diesem System, das aus etwa 30.000 Atomen besteht, durchgeführt. Die Simulationen erlauben es, die kollektive Bewegung von Ionen und Wassermolekülen durch den Selektivitätsfilter zu beobachten. Dabei stellt man fest, dass die hohe Leitfähigkeit auf der kooperativen Diffusion von Ionen und Wasser beruht, die wiederum durch die flexiblen Carbonylgruppen des Filters verursacht wird. Die schematische Darstellung rechts zeigt vier aufeinander folgende Konstellationen von Ionen und Wasser im Selektivitätsfilter.

(Jean-Fang Gwan, Artur Baumgärtner, Institut für Festkörperforschung, Forschungszentrum Jülich)


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S.Hoefler-Thierfeldt@fz-juelich.de, 23-Mar-2005
URL: <http://www2.fz-juelich.de/nic/Publikationen/Broschuere/sonstiges-d.html>