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Begleittext "Polymere"In unserem täglichen Leben werden wir unausweichlich ständig mit den Eigenschaften von Polymermaterialien konfrontiert. Zum einen bestehen wir selbst neben Wasser zum großen Teil aus Polymeren (Biopolymeren wie z.B. DNA) zum anderen sind Polymerzusätze bzw. Polymermaterialien aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die Palette fängt bei einfachen Gebrauchspolymer-Materialien (Kunststoffe) an, wie z. B. Polyethylen für Plastiktaschen, geht über technische Polymere, z.B. Polykarbonat für CDs oder Beschichtungen für Leiterplatten für die Halbleiter-Industrie, über zu wasserlöslichen Polymeren im Umwelt- bzw. Hygienebereich (Wasser-Aufbereitung, Superabsorber), bis hin zu den Lebensmittel-Additiven, die es erst ermöglichen, Halbfett-Produkte im diätischen Bereich herzustellen. Sie haben daher in unserem Leben eine außerordentlich große Bedeutung.
Ein charakteristisches Merkmal der Polymere ist ihr struktureller Aufbau.
Im einfachsten Fall besteht ein Polymer aus einem Kettenmolekül von sich
wiederholenden identischen Einheiten. Sowohl in der Natur als auch in der
Chemie spielen wesentlich komplexere Strukturen eine wichtige Rolle. Neben
der Vermischung sehr vieler verschiedener Wiederholungseinheiten
(sog. Kopolymere) wird auch oft von der einfachen Form einer Kette
abgewichen, so daß man sternförmig verzweigte Objekte (Sternpolymere),
kammartige Strukturen, vernetzte Strukturen (Gummi, Elastomere) bis hin
zu sog. polymeren "Flaschenbürsten" betrachtet, d.h. Objekte, bei denen
von einem Strang aus sehr viele Seitenfäden ausgehen, so daß das große
Molekül (Makromolekül) wie eine molekulare Flaschenbürste aussieht. Die
Eigenschaften makromolekularer Substanzen werden in erster Linie durch zwei
Faktoren bestimmt: Einerseits spielt die Länge der Kette (wir beschränken
wir uns auf einfache Kettenpolymere) eine entscheidende Rolle. So wird
sich z. B. die Viskosität einer Polymerschmelze bei Verdoppelung der
Kettenlänge ungefähr verzehnfachen, und das unabhängig von der chemischen
Struktur der Wiederholungseinheit. Diese Eigenschaften, die für alle
Systeme gleich sind, nennt man "universell"; sie werden durch sog.
"Skalengesetze" erfaßt (z. B. Viskosität
wobei A eine Funktion der Temperatur bzw. der chemischen Struktur der Wiederholungseinheiten ist. Durch Variation von A sowie durch Variation der Kettenlänge kann man die Viskosität um mehrere Größenordnungen variieren. Um das makroskopische Verhalten solcher Materialien zu verstehen, muß man beide Einflußgrößen genau verstehen. Bei den am NIC durchgeführten Simulationen werden in erster Linie generische, also universelle, Eigenschaften untersucht. Jedoch gibt es auch im Rahmen von Projekten, die am NIC bearbeitet werden, intensive Versuche, beide Aspekte zu betrachten und miteinander zu verknüpfen. Da die generischen Aspekte von der detaillierten Struktur der Monomere unabhängig sind, ist es schon aus Gründen der Rechenzeit-Ersparnis angebracht, möglichst einfache Modelle zu entwickeln, die die entscheidenden Eigenschaften haben. Die Konnektivität der Kette muß im Modell geeignet berücksichtigt sein sowie das Volumen der einzelnen Wiederholungseinheit, das für die anderen Teilchen ausgeschlossen ist. Solche Modelle werden sowohl im Kontinuum als auch als Pfade auf Gittern betrachtet. Alle hier aufgeführten Beispiele für Polymer-Simulationen betrachten Varianten dieses Modells unter verschiedenen physikalischen Bedingungen. Dies sind nur einige der vielen Simulationen zum "Soft-Matter"-Bereich, die am NIC durchgeführt werden. Trotz der Tatsache, daß in erster Linie generische und nicht material-spezifische Eigenschaften untersucht werden, haben sich an vielen Stellen schon direkte Anknüpfungspunkte für die industrielle Forschung ergeben. Es handelt sich also um ein Gebiet, in dem die Grundlagenforschung nach wie vor einen direkten Bezug zu Problemen der Anwendung hat. (Kurt Kremer, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz) Koagulation von Kettenpolymeren
In einem guten Lösungsmittel stoßen Polymere sich ab, und sie sind wegen der abstoßenden Monomer-Monomer-Wechselwirkung in ein und derselben Kette mehr gestreckt als zufällige Irrwege. In einem schlechten Lösungsmittel können die Bestandteile (Monomere) des Polymers mit den Molekülen des Lösungsmittels schlechter in Kontakt treten. Deshalb müssen sie untereinander mehr Kontakte bilden. Dies hat zwei Konsequenzen: Einerseits werden die Ketten in sich mehr verknäult, andererseits werden sie miteinander verklumpen. Dies führt schließlich zu einer Trennung in eine sehr konzentrierte, "verklumpte" Phase und eine sehr verdünnte Phase. Der Übergang zwischen diesen Phasen sollte denselben Gesetzen folgen wie der Übergang zwischen gasförmigen und flüssigen Phasen (etwa das Verdampfen von Wasser). Es sollte ein "kritischer Punkt" existieren, bei dem das System durch das bekannte Ising-Modell beschrieben wird. Zusätzlich sollte es jedoch noch universelle Abhängigkeiten von der Kettenlänge geben.
Letztere sind experimentell nur mit großen Schwierigkeiten meßbar, und mit
herkömmlichen Methoden auch schwer zu simulieren. Die Abbildung wurde mit
einem neuen mathematischen Verfahren gewonnen, das die Simulation längerer
Ketten als bisher erlaubt, und das zu einem neuen Verständnis der Experimente
geführt hat. (Helge Frauenkron, Peter Grassberger, NIC-FG Vielteilchenphysik) Ein langes Kettenpolymer auf der Oberfläche eines Zylinders
Das Verhalten von Kettenpolymeren in guten Lösungsmitteln wird auf großen
Längenskalen durch das Modell der "selbstvermeidenden Irrwege" beschrieben.
Dieses Modell führt zu anomalen Skalengesetzen mit "universellen" Exponenten.
So wächst etwa der Durchmesser eines solchen Irrwegs mit der Zahl N der Schritte
(Monomere) wie R ~ N (Helge Frauenkron, Maria Serena Causo, Peter Grassberger, NIC-FG Vielteilchenphysik) Nematisch geordnete Polymerschmelzen
(Henning Weber, Wolfgang Paul und Kurt Binder, Institut für Physik, Universität Mainz) Simulationen zu Polyelektrolyten
Polyelektrolyte spalten in Wasser Ionen ab, so daß sie elektrisch geladen sind.
Fast alle biologischen Polymere sind Polyelektrolyte. Dadurch stoßen sich die
Monomere stark ab, die Ketten sind also stark gestreckt. Es gibt zwei Klassen
von Polyelektrolyten: solche mit einem hydrophilen Kettenrückgrat (diese sind
eher selten) und solche mit einem hydrophoben Rückgrat. Im letzten Fall ergibt
sich eine interessante Konkurrenzsituation zwischen der elektrostatischen
Abstoßung der geladenen Monomere und der durch das Wasser verursachten
effektiven Anziehung. Die Simulationen vergleichen die beiden Fälle in
Abhängigkeit von der Konzentration. Es werden alle Ionen explizit simuliert
und für die Wechselwirkung die volle Ewaldsumme berücksichtigt. Die beiden
oberen Abbildungen zeigen den hydrophilen bzw. hydrophoben Fall bei sehr
niedriger Konzentration, die unteren Abbildungen den analogen Vergleich im
halbverdünnten System. Der Fall der kollabierten, aber als kolloidale
Suspension stabilen Phase (unten rechts) ist bei neutralen Ketten nicht
möglich. (Kurt Kremer, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz)
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S.Hoefler-Thierfeldt@fz-juelich.de,
29-Mar-2004
URL: <http://www.fz-juelich.de/nic/Publikationen/Broschuere/polymere-d.html> |
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